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Sonntag, 25.06.2017
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Badeleben und Kureinrichtungen

Strandkörbe

Bereits 1799 gab es die ersten Badekarren am Travemünder Strand. Das waren hölzerne Wagen, die ins Wasser hineingeschoben wurden. Diese Karren ermöglichten Männern und Frauen -selbstverständlich streng getrennt, das Baden in der See ohne sich den Blicken Dritter preiszugeben, obwohl bei den, den gesamten Körper bedeckenden Badekleidern, ohnehin nichts "Unschickliches" hätte zu sehen sein können. Trotzdem gab es nicht unerheblichen Protest unter den konservativen Bürgern der Stadt.

Diese Karren wurden 1879 durch die erste, weit in das offene Meer hineinreichende Seebadeanstalt abgelöst, 1905 baute man dann einen Neubau. Bereits seit 1802 gab es eine Warmbadeanstalt und im Jahre 1900 erfolgte eine grundlegende Modernisierung und Erweiterung, die in der Lübecker Bürgerschaft heiß umstritten war, wohl nicht zuletzt wegen der enormen Kosten von 115.000 Mark. Auch schwierige technische Probleme waren zu lösen, so das Hereinpumpen von 60.000 Litern Meerwasser täglich, sowie seine Erwärmung von 15 auf 35 Grad Celsius.

Aber nicht nur die Badekultur veränderte sich, immer mehr Gäste entdeckten ihre Leidenschaft für das Sonnenbaden und ein vergnügtes Strandleben. Besonders beliebt war das Bauen von Strandburgen und bereits 1898 wurden die ersten Strandkörbe aufgestellt, die dem Windschutz und der Ruhe dienten. Die ungezwungenen Strandvergnügen von heute, FKK-Strand, Erlebnisbad, Wasserrutsche und Gemeinschaftssauna hätten sich selbst die fortschrittlichsten Geister nicht ausmalen können.

Die konservative Gesellschaft hielt nichts von ungezwungenem Strandvergnügen. Noch im Juli 1914, als Franz Kafka Travemünde besuchte, vertraute er seinem Tagebuch an: "Nachmittag im Sand. Durch die nackten Füße als unanständig aufgefallen." Erst Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das "freie Baden" am Strand offiziell erlaubt. Das 1965 errichtete Meerwasserschwimmbad wurde 1973 zum Strandbadzentrum und anschließend zu einem Erlebnisbad umgebaut. Dieses wurde 2003 geschlossen und anschließend abgerissen. Auf dem Gelände befindet sich derzeit eine Erholungswiese. Der Aufschwung des Ostseebades veränderte natürlich auch das Gesicht des Ortes.

Fischerei

Seit jeher lebten die Travemünder überwiegend vom Fischfang und von der Schifffahrt. Der aufblühende Kurbetrieb schuf ihnen neue Einnahmemöglichkeiten. Zwar veränderte sich auch der alte Stadtkern, doch wurden das eigentliche Kurgebiet sowie die neu ausgewiesenen Villengrundstücke nach Norden hin angesiedelt. Travemünde zerfiel in zwei Teile, die Berührungspunkte hatten, und die doch unterschiedliche Welten widerspiegelten. Hier die reichen Badegäste, die sich in den Kureinrichtungen erholten, sich dem gesellschaftlichen Leben hingaben, dort die "Ureinwohner", die Schiffer und Fischer, die nach wie vor am Abend vor ihren Häusern saßen und die Netze flickten.