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Bevölkerungsprognose 2006-2020

I. Prognosemodell

II. Natürliche Bevölkerungsbewegung

III. Wanderungsbewegung

IV. Prognoseergebnisse

I. Prognosemodell

In der vorliegenden Bevölkerungsprognose wurde das Prognoseprogramm SIKURS verwendet, das bundesweit in über 40 Städten eingesetzt wird. Nach diesem Modell wird ein vorgegebener Ausgangsbestand der Bevölkerung aufgrund von Zu- und Fortzügen, Geburten und Sterbefällen von Jahr zu Jahr fortgeschrieben. Die einzelnen Bewegungskomponenten werden dabei anhand demographisch differenzierter Wahrscheinlichkeiten bzw. Raten (Geburten-, Sterbe-, Wegzugsraten, usw.) ermittelt. Hinsichtlich der in die Prognoserechnung einfließenden Annahmen, haben die Geburten, Sterbefälle und Wanderungen der letzten fünf Jahre Berücksichtigung gefunden.

Ausgangsbevölkerung
... ist die kommunale Einwohnerzahl zum 01.01.2006 auf der Basis des Melderegisters der Hansestadt Lübeck. Zugrunde gelegt wird die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung bzw. mit alleiniger Wohnung. Personen mit Nebenwohnung sind nicht berücksichtigt.

Prognosezeitraum
Der Prognosezeitraum beträgt 15 Jahre. Die Beschränkung auf diesen Zeitraum vermeidet eine Prognose der Geburten, die anhand einer Elterngeneration erfolgen müßte, die heute noch nicht geboren ist.

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II. Natürliche Bevölkerungsbewegung

Annahmen zum Geburtenverhalten
Für die vorliegende Prognose wurden die Durchschnittswerte der altersspezifischen Geburtenraten der Jahre 2001-2005 herangezogen. Die Geburtenraten wurden getrennt nach deutscher und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, ermittelt. Die Betrachtung von fünf Jahren ist notwendig, da sich durch die Verteilung der rd. 1.750 Geburten auf 30 Geburtsjahrgänge (15-45 Jahre) der Mütter jährliche Schwankungen ergeben. Dies gilt insbesondere für die rd. Geburten ausländischer Mütter. Für die Eingabe der Daten in das Prognosesystem ist es daher erforderlich, diese Daten für mehrere Jahre zusammenzufassen und zudem einem Glättungsverfahren zu unterziehen (3er Glättungsverfahren).

Annahmen zur Sterblichkeit
Entsprechend der Vorgehensweise bei den Geburtenraten wurden für die Prognose die altersspezifischen Sterberaten der Jahre 2001-2005 verwendet und ebenfalls einem Glättungsverfahren unterzogen. Aufgrund der geringen Anzahl an Sterbefällen bei den nichtdeutschen Personen, die kaum über ältere Bevölkerungsanteile verfügt, wurden die für die deutsche Bevölkerung ermittelten Sterberaten auf die nichtdeutsche Bevölkerung übertragen.

Annahmen zum Staatsangehörigkeitswechsel
Aufgrund der relativ hohen Zahl an Einbürgerungen erschien es sinnvoll, diesen Baustein mit in die Prognose aufzunehmen. Dies hat zunächst Auswirkungen auf die Fortzugsraten. Da diese zwischen deutschen und ausländischen Personen deutliche Unterschiede aufweisen, ergeben sich bei Berücksichtigung dieses Faktors deutliche Änderungen in der Zahl der Fortzüge. Dies gilt es zu berücksichtigen, da insbesondere die schon länger hier wohnenden Ausländer mit dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit einer geringeren Fortzugs-wahrscheinlichkeit unterliegen, d.h. jener Fortzugswahrscheinlichkeit, wie sie für die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt gilt. Die Berücksichtigung des Staatsangehörigkeitswechsels gewährleistet nicht zuletzt, daß die zu erwartenden Relationen zwischen deutscher und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit in der Prognose besser abgebildet werden. Zu beachten gilt, daß Einwohner mit Migrationshintergrund bei Vorliegen der deutschen Staatsangehörigkeit in der Statistik als Deutsche gezählt werden. Daher kann es sein, daß der Anteil der Ausländer sinkt, der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund jedoch steigt.

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III. Wanderungsbewegung

Annahmen zu den Zuzügen
Das Zuzugsvolumen kann nicht wie die übrigen Eingabedaten Jahr für Jahr aus der Prognose selbst errechnet werden, sondern ist für den gesamten Prognosezeitraum vorzugeben.

Aufgrund der unterschiedlichen Wanderungsmotive werden die Wanderungsströme der Deutschen und der Nichtdeutschen getrennt analysiert. Die Zuwanderung deutscher Personen aus den Umlandgemeinden belief sich in den letzten Jahren auf rd. 2.000 Personen pro Jahr. Da die Umlandregion eine Wachstumsregion ist, die auch weiterhin von der Bevölkerungsabwanderung aus Lübeck profitieren wird, wir hier eine konstante Zuwanderung vorausgesetzt. Dieser Sachverhalt trifft jedoch nicht auf das übrige Bundesgebiet zu. Da die Einwohnerzahl Deutschlands ab 2020/2030 abnehmen wird, wird auch die Zuwanderung aus diesem Gebiet generell geringer ausfallen. Dies wird sich insbesondere dann auswirken, wenn die Bevölkerungszahlen bei den wanderungsaktiven Altersjahrgängen abnehmen wird, also bei den ca. 20-35 jährigen.

Die Vorhersage hinsichtlich der Zuwanderung nichtdeutscher Personen ist die mit Abstand unsicherste Komponente der Bevölkerungsprognose. Ausgehend von einem weiterhin bestehenden hohen Einwanderungsdruck nach Deutschland, wird ein Zuwanderung von rd. 2.000 Personen aus dem Ausland und von rd. 1000 Personen aus dem übrigen Bundesgebiet angenommen.

Die Zuwanderung nichtdeutscher Personen aus den Umlandgemeinden ist äußerst niedrig und erklärt sich aus der zu den Deutschen unterschiedlichen Wanderungsmotivation. Überwiegt bei den Ausländern die Fernwanderung aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen, finden Wanderungsströme der Deutschen häufig rüber kürzere Distanzen statt und dienen z.B. der Wohnumfeldverbesserung bei Beibehaltung des Arbeitsplatzes.

Die Altersstruktur der Zuziehenden wurde aus den Werten der Jahre 2001-2005 für alle Altersjahrgänge getrennt nach Geschlecht und Staatszugehörigkeit (deutsch/nichtdeutsch) ermittelt.

Annahmen zu den Fortzügen
Zur Bestimmung der Zahl der Fortzüge ist es zunächst notwendig die Fortzugswahrscheinlichkeiten zu bestimmen. Da die Wanderungsbereit-schaft stark vom Alter, Geschlecht und der Staatszugehörigkeit abhängig ist, sind die alters- und geschlechtsspezifischen Fortzugsraten zu ermitteln, die als die zu erwartende Fortzugshäufigkeit auf 1.000 Personen des entsprechenden Alters zu interpretieren ist.

Zur Erfassung einer größeren Fallzahl und der damit einhergehenden Ausschaltung von zufallsbedingten Abweichungen wurden die Fortzugsraten aus dem Durchschnitt der Jahre 2001-2005 ermittelt, da die Fortzugsraten aufgrund des unterschiedlichen Wanderungsverhaltens für Deutsche und Ausländer getrennt berechnet wurden. Die Fortzugsraten selbst wurden für den Zeitraum der Prognose konstant gehalten. Die Veränderungen in den Fortzugszahlen bis 2020 resultieren aus Veränderungen in der Altersstruktur und der Anzahl der Lübecker Bevölkerung.

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IV. Prognoseergebnisse

Entwicklung der Einwohnerzahl
Die Einwohnerzahl wird von rd. 215.983 im Jahre 2006 auf rd. 207.700 im Jahre 2020 zurückgehen. Dies entspricht einer Bevölkerungsabnahme von rd. drei Prozent.

Geburten
Die Zahl der jährlichen Geburten wird von derzeit rd. 1.750 auf rund 1.650 im Jahre 2020 zurückgehen, da die Zahl der Frauen im gebährfähigen Alter weiter abnehmen wird.

Sterbefälle
Die Zahl der Sterbefälle wird sich etwas erhöhen, da die Zahl älterer Personen zunehmen wird. Die Zahl der jährlichen Sterbefälle wird bis zum Jahr 2020 von derzeit rund 2.400 auf rund 2.550 ansteigen. Die Differenz zwischen den Geburten und den Sterbefällen wird sich daher von rund 700 auf rd. 900 erhöhen. D.h. pro Jahr gilt es zukünftig einen Einwohnerverlust von über 900 Einwohnern auszugleichen, soll ein Bevölkerungsrückgang verhindert werden.

Wanderungen
Im Gegensatz zu den Geburten und Sterbefällen, die sich recht genau vorhersagen lassen, unterliegen die Wanderungen größeren Schwankungen und sind, was Umfang, Richtung und Art angeht, schwerer vorherzusagen.

Zuzüge
Seit 2002 nahm die Zahl der Zuzüge nach Lübeck von rd. 13.800 auf rd. 12.700 ab. Für die Zukunft ist insbesondere bei den Deutschen mit weniger Zuzügen zu rechnen, da die Einwohnerzahl in der Bundesrepublik ebenfalls rückläufig ist. Hinsicht-lich der Zuzüge aus dem Ausland wird weiterhin ein hoher Einwanderungsdruck unterstellt, der das Wanderungsdefizit bei den Deutschen zum Teil ausgleichen wird.

Fortzüge
Bei insgesamt sinkender Bevölkerungszahl wird es auch weniger Fortzüge geben. Die Zahl der Fortzüge wird von derzeit rd. 12.000 auf rd. 11.500 Fortzüge im Jahr 2020 abnehmen.

Wanderungssaldo
Für die nächsten Jahre wird ein positives Wanderungssaldo von rd. 400-500 Personen unterstellt.

Altersaufbau
Neben dem Rückgang der Einwohnerzahlen sind die Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung. Von 2006-2020 wir die Zahl der unter 18jährigen von rd. 34.000 auf rd. 30.000 abnehmen, die Zahl der über 65jährigen jedoch von rd. 46.600 auf rd. 50.000 zunehmen.
Die Zahl der Personen zwischen 18 und 64 Jahren, d.h. der Personen im erwerbsfähigen Alter, wird sich ebenfalls verringern, und zwar von rd. 133.000 auf rd. 128.000 Personen.
Der Altersquotient, die Zahl der über 60jährigen auf 100 Personen zwischen 18 und 59, wird sich von derzeit 50 auf 55 im Jahre 2020 erhöhen.

Quelle: Hansestadt Lübeck, Bereich Logistik, Statistik und Wahlen

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