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Pressemitteilungen des Lübecker Frauenbüros

Überproportionale Kürzungen bei Einrichtungen für Frauen nicht hinnehmbar

Das Frauenbüro der Hansestadt Lübeck kritisiert den Vorschlag von Herrn Senator Halbedel, 12 Frauenhausplätze in Lübeck zu streichen. "Aus frauenpolitischer und gewaltpräventiver Sicht ist die Streichung von 12 Frauenhausplätzen in Lübeck nicht hinnehmbar. Es ist zugleich nicht nachvollziehbar, warum die Einsparvorgaben des Fachbereichs Wirtschaft und Soziales im wesentlichen von zwei wichtigen Einrichtungen für die Lübecker Fraueninfrastruktur erbracht werden sollen" so Elke Sasse, Frauenbeauftragte der Hansestadt Lübeck.

Der Fachbereich Wirtschaft und Soziales, dem Senator Halbedel vorsteht, will der Lübecker Bürgerschaft vorschlagen, die beschlossenen jährlichen dreiprozentigen Kürzungen bei den Zuweisungen und Zuschüssen in seinem Fachbereich zu einem überproportionalen Anteil durch Streichung von Frauenhaus-Plätzen zu realisieren.

Elke Sasse hierzu: "Es darf nicht sein, dass von ca. 411.000 Euro Einsparsumme für sehr unterschiedliche Arbeit im sozialen Bereich, allein Zweidrittel die beiden Lübecker Frauenhäuser erbringen sollen."

Der Fachbereich begründet diesen Vorschlag damit, dass das Land seit 1997 12 Frauenhausplätze in Lübeck nicht mehr anerkenne und fördere - mit der Begründung, dass zum damaligen Zeitpunkt im Kreis Stormarn ein Frauenhaus mit 12 Plätzen gebaut wurde und Lübeck nicht mehr die Funktion erfüllen müsse, die Region "mitzuversorgen". Diese Rechnung ist jedoch nach Einschätzung des Frauenbüros nicht aufgegangen: eine hohe Auslastungsquote in beiden Häusern mit über 80%, zum Teil sogar mit erheblichen Überbelegungen im Vergleich zu anderen Frauenhäusern in Schleswig-Holstein mit einer durchschnittlichen Auslastungsquote von ca. 75% zeige den großen Bedarf. Zudem sei ein Frauenhaus in Ahrensburg kein gleichwertiger Ersatz für Frauenhausplätze in einer größeren Stadt. Denn ein Teil der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder finden aufgrund der massiven Bedrohung nur in einer größeren Stadt die Anonymität vor, die für ihren Schutz und ihre Sicherheit notwendig ist.

Ein Abbau von 82 auf 70 Frauenhausplätze in Lübeck bedeute ein längeres Ausharren in der Gewaltsituation für die betroffenen Frauen und Kinder, Wartelisten und eine noch größere Überbelegung.

Weitere persönliche, gesellschaftliche und auch finanzielle Folgen sind nach Meinung des Frauenbüros absehbar: körperliche und seelische Folgeerkrankungen, Wohnungslosigkeit, schwerwiegende Erziehungsproblematiken - Folgen, die sich auch als Kosten an anderer Stelle bei der Stadt wieder niederschlagen: in der Jugendhilfe, in den familiefürsorgenden Bereichen und im Gesundheitswesen.

Das Frauenbüro resümiert:
"Die geplante vollständige Streichung der städtischen Zuschüsse führt in beiden Frauenhäusern zu einer noch höheren Auslastung als bisher. Gleichzeitig gibt es weniger Personal, denn die Einsparung wird nur durch Personalabbau realisiert werden können. Im Interesse der betroffenen Frauen und Kinder darf Lübeck sich nicht komplett der Finanzierung der Frauenhäuser entledigen."

Lübeck, 07. April 2005