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Fachveranstaltung zu Minijobs: Beliebtes Arbeitsmodell – trotz negativer Folgen

Vereinbarkeits-Probleme führen viele Frauen in berufliche Sackgasse „Minijob“

Auf der Fachveranstaltung zum Thema „Minijobs“ diskutierten am Dienstag, 08. April 2014 im Rathaus Lübeck ExpertInnen die Folgen von Minijobs. Mit dabei waren VertreterInnen von ArbeitgeberInnen, Jobcenter, Gewerkschaften, Rentenversicherung und des Landesfrauenrates Schleswig-Holstein. Ergänzt wurden die Beiträge durch schriftliche Statements der beiden Lübecker Bundestagsabgeordneten zum Thema Minijobs.
Heidemarie Keller von der Lübecker Beratungsstelle „FRAU & BERUF“ macht deutlich, dass sich gut qualifizierte Frauen immer wieder für Minijobs entschieden - um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Langfristig aber verkaufen sie sich damit unter Wert und werden nicht mehr als qualifizierte Fachkräfte anerkannt“, so die Beraterin. Allein in Lübeck gibt es 19.000 MinijobberInnen, vor allem in Reinigung, Gesundheits- und Sozialwesen, Einzelhandel und Gastgewerbe, so Petra Schmittner vom Frauenbüro Lübeck. 60% davon sind Frauen. „Im Unterschied zu Männern arbeiten sie vor allem in der Familienphase, d.h. im Alter von 35-55 Jahren in Minijobs“. Die daraus resultierenden Probleme würden oft erst später sichtbar, z.B. nach einer Trennung oder im Alter. Denn eine eigenständige Existenzsicherung oder eine ausreichende Rente sei mit Minijobs kaum zu erlangen.

Im Fachvortrag "Minijobs – ein gutes Geschäft für alle?“ stellte Dr. Karen Jaehrling von der Universität Duisburg- Essen bundesweite Studienergebnisse zu Minijobs vor. Über 7 Millionen Menschen arbeiten bundesweit in Minijobs. Die Hälfte wünsche sich eine Ausweitung der Arbeitszeiten, so Jaehrling. Doch eine Brücke in den Arbeitsmarkt seien Minijobs nur selten, so die Wissenschaftlerin. Für viele bedeute der Minijob eine Dauerlösung, in einigen Branchen gebe es fast nur noch Minijobs. Von Betrieben würden diese oft als kostengünstig und flexibel eingeschätzt – und das, obwohl sie für Arbeitgeber aufgrund der höheren Pauschalabgaben (30% statt 21%) eigentlich teurer seien. Minijobs hätten den Ruf von Aushilfsarbeiten und würden oft schlecht bezahlt: 80% der MinijobberInnen erhalten einen Niedriglohn. Trotz dieser objektiv nachteiligen Punkte und Langzeit-Folgen bewerteten insbesondere verheiratete Frauen Minijobs für sich oft positiv.
Um die Situation von MinijobberInnen zu verbessern, gelte es vor allem, besser zu informieren und die vorhandenen Rechte besser durchzusetzen, so Jaehrling. Denkbar seien darüber hinaus verschiedenste rechtliche Regulierungen der geringfügigen Beschäftigungen bis hin zu deren Abschaffung.

Die sich anschließende Gesprächsrunde mit Lübecker Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen, Gewerkschaften, Jobcenter, Rentenversicherung und Wissenschaft war sich einig, dass Minijobs nur selten eine Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bieten. Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenters Lübeck, berichtete, dass das Jobcenter KundInnen in Minijobs vermitteln müsse, um Hilfebedürftigkeit zu verringern. Der Fokus liege aber bei einer Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Jobcenter fördere zudem die Umwandlung von rund 100 Minijobs pro Jahr in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Andreas Sankewitz, Regionsgeschäftsführer des DGB Schleswig-Holstein Südost, stellte das Reformkonzept des DGB vor. Er forderte, Minijobs und Steuerklasse V abzuschaffen und die Gleichbehandlung der ArbeitnehmerInnenrechte durchzusetzen. Claudia Haase, Bereichsleiterin Beruf & Familie beim Uniklinikum Schleswig-Holstein berichtete, dass und wie eine flexible Arbeitsgestaltung für ArbeitgeberInnen auch ohne Minijobs möglich ist. Michael Esser von der Deutschen Rentenversicherung Nord bestätigte, dass MinijobberInnen nach 45 Jahren nur einen Anspruch auf 140 Euro Rente haben, Kindererziehungs- und Pflegezeiten führen jedoch zu höheren Rentenansprüchen.
Zur Veranstaltung eingeladen hatten das Frauenbüro der Hansestadt Lübeck, die Beratungsstelle FRAU & BERUF Lübeck und der DGB Region Schleswig-Holstein Südost. Die Vorträge und Statements zur Tagung sind in Kürze auf den Seiten des Frauenbüros abrufbar:www.frauenbuero.luebeck.de (Veranstaltungen)

Lübeck, den 09.04. 2014

Frauenbüro der Hansestadt Lübeck,
Verwaltungszentrum Mühlentor
Sophienstraße 2-8
23560 Lübeck
Tel: 0451/122-1615
E-Mail: frauenbuero@luebeck.de