Metanavigation / Stadtporträt deu
Datum
Dienstag, 23.01.2018
Temperatur
3°C

Hauptnavigation

Schnellnavigation / Service

Schnellsuche

Anzeige

 

Service

Pressemitteilungen des Lübecker Frauenbüros

Land will an Frauen sparen – vor allem in Lübeck und der Region

Von 563.000,- Euro sollen in Lübeck 499.000,- eingespart werden: AWO-Frauenhaus und „Frau und Beruf“ vor dem Aus.
„Das können wir nicht hinnehmen“, so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck. „Die Landesregierung will bei (fast) allen Fraueneinrichtungen in Lübeck sparen. Die Unterstützung von Frauen und Mädchen, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind, die psychische Probleme haben, die behindert sind oder einfach nach einer Elternzeit wieder in den Job einsteigen wollen, wird sich massiv verschlechtern, sollten die Pläne so umgesetzt werden.“ Zwei anerkannte Lübecker Beratungseinrichtungen sollen ganz geschlossen werden: Das Frauenhaus der AWO bereits im übernächsten Jahr, 2012, und „Frau und Beruf“ Stück für Stück und komplett dann ab dem Jahr 2014.
Außerdem ist geplant, die landesweite Vernetzungsarbeit für behinderte Mädchen zu kürzen und von Lübeck nach Kiel zu verlagern. Darüber hinaus will das Land beim Frauennotruf, dem Frauenkommunikationszentrum Aranat und der Frauen- und Mädchenberatungsstelle „Biff“ Kürzungen vornehmen, die massive Einschnitte in die Beratungslandschaft vor Ort bedeuten.

„Den Löwenanteil der landesweiten Einsparungen in diesem Bereich soll Lübeck tragen“, moniert Sasse. Von den insgesamt 563.000,- Euro will das Land 499.000,- Euro in der Hansestadt einsparen. „Das sind 88%“ so Sasse. Dies solle jedoch nicht heißen, dass bei Frauenhäusern und -beratungen in anderen Städten oder Regionen gespart werden solle. Im Gegenteil: die Finanzierung der Arbeit von Frauenhäusern und -beratungsstellen müsse endlich gesetzlich verankert und dauerhaft abgesichert werden, so die Gleichstellungsbeauftragte.

„Im AWO-Frauenhaus haben im Jahr 2009 74 Frauen und 63 Kinder gelebt, die z.T. lebensbedrohlichen Situationen entkamen“ so Sasse. Das autonome Frauenhaus in Lübeck könne diese Frauen und Kinder nicht zusätzlich aufnehmen. „Wo sollen die Frauen und Kinder dann hin?“ fragt Sasse. Das AWO-Frauenhaus sei zu über 70 % belegt und liege damit nur knapp unter dem landesweiten Schnitt. „Zudem berücksichtigt das Land nicht die ambulanten Beratungen und die Präventionsarbeit, die die Mitarbeiterinnen des AWO-Frauenhauses über das Anbieten von Frauenhaus-Plätzen hinaus leisten“, so Sasse. „Solange jede vierte Frau in Deutschland verschiedene Formen von Gewalt erlebt“, so Sasse „müssen wir Frauen und Kinder unterstützen, um aus dieser Situation heraus zu kommen.“

Ähnlich wichtig und notwendig sei die Arbeit von „Frau und Beruf“. Diese habe 2009 fast 2300 Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen oder sich umorientieren wollten, beraten. Durch die Beratung konnten 33% ihre Chance auf Integration in den Arbeitsmarkt durch die direkte Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und 29% durch die Aufnahme einer Weiterbildung verbessern. „Eine Schließung der Beratungsstelle Frau und Beruf würde nicht nur für Frauen, die wieder arbeiten wollen, einen herben Verlust bedeuten. Eine solche Entscheidung konterkariert auch die von der Politik immer wieder hochgehaltene Forderung der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, an der „Frau und Beruf“ seit Jahren auch auf struktureller Ebene arbeitet“, meint Sasse.

Die Streichung der Gelder für das landesweite Vernetzungsbüro für behinderte Mädchen und Frauen in Schleswig-Holstein, angesiedelt bei mixed pickles e.V. in Lübeck und eine Teilverlagerung der Gelder nach Kiel stößt bei der Lübecker Gleichstellungsbeauftragten auf Unverständnis: „Einzigartig ist, dass die in den letzten Jahren aufgebaute Fachkompetenz ihre hohe Fachlichkeit insbesondere auch durch die Einbindung der behinderten Mädchen und Frauen in die Arbeit begründet. In diesem „Empowerment“-Ansatz liege die landes- und bundesweit nachgefragte Fachkompetenz der mixed pickles – Mitarbeiterinnen begründet. Eine Verlagerung nach Kiel – weg von der Arbeit mit der Zielgruppe könnte diese hohe Fachlichkeit in dieser Form nicht mehr sicherstellen, befürchtet die Lübecker Gleichstellungsbeauftragte.

Das Land berücksichtige bei den vorgelegten Einsparvorschlägen (nach EinwohnerInnenzahl) nicht, dass die Lübecker Fraueninfrastruktur auch für Bewohnerinnen aus den umliegenden Städten und Gemeinden häufig die erste Adresse sei – z.B. bei den ebenfalls von Kürzungen bedrohten Beratungsstellen Frauennotruf, Biff e.V. und dem Frauenkommunikationszentrum Aranat. Aufgrund der Anbindung durch den ÖPNV und die faktische räumliche Nähe nutzen viele Frauen aus der Region diese Beratungsstellen – die ihnen zudem eine größere Anonymität ermöglichten.
Die Folgen der Kürzungen bedeute neben längeren Wartezeiten für die ratsuchenden Frauen inbesondere auch massive Einschränkungen bei den Gewaltpräventionsangeboten für die Lübecker Schulen, weniger Fortbildungsangebote zu den Themenbereichen Essstörungen und sexueller Missbrauch sowohl an Schulen als auch für Fachkräfte selbst und eine Reduzierung der stark nachgefragten niedrigschwelligen Angebote für Frauen durch offene Treffs.

„Schleswig-Holstein und insbesondere Lübeck kann es sich nicht leisten, auf diese Beratungs- und Unterstützungsangebote für Frauen ganz zu verzichten oder sie auch nur einzuschränken“ – so das Resümee Lübecks Gleichstellungsbeauftragter Elke Sasse.

Lübeck, den 26.Oktober 2010

Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck