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Pressemitteilungen des Lübecker Frauenbüros

Lübeck braucht explizite Mädchenarbeit

Die beschlossene Schließung des Mädchen- und Frauenzentrums bedeutet für eine Vielzahl von Mädchen für die Zukunft eine fehlende Anlaufstelle für ihre Bedürfnisse in Lübeck. Hiervon ist Elke Sasse, Frauenbeauftragte bei der Hansestadt Lübeck überzeugt.

"Sicherlich muss Mädchenarbeit heute anders aussehen als vor 20 Jahren. Aber das Mädchen- und Frauenzentrum ist mit seiner geleisteten Mädchensozialarbeit 'up to date'. Wer der Ansicht ist, heutzutage wollen oder brauchen die Mädchen keine speziellen Angebote oder Einrichtungen, übersieht, dass in der Jugendarbeit genau durch die Nichtbeachtung des Geschlechts das typische Rollenverhalten eher noch verstärkt wird. Ein auf bis zu zwei Stunden reduziertes Angebot von Mädchenarbeit in den Jugendfreizeiteinrichtungen reicht definitiv nicht aus, um eine geschlechterbewusste Jugendarbeit zu betreiben. Hinzu kommt, dass viele Mädchen, insbesondere Migrantinnen, gemischtgeschlechtliche Einrichtungen entweder nicht besuchen werden oder besuchen dürfen. Praktisch erfolgreiche Migrationssozialarbeit wird abgeschafft und gleichzeitig wird in Lübeck politisch die Umsetzung eines Integrationskonzeptes beschlossen. Widersprüchlicher können Entscheidungen nicht getroffen werden" kritisiert Sasse.

Sicherlich gäbe es auch eine Vielzahl von Mädchen, die keine spezielle Einrichtung für sie als Mädchen wollen - aber diese Mädchen nutzten auch nicht das jetzt bedrohte Mädchenzentrum, sondern gingen ins Burgtor und andere Jugendzentren der Stadt - die allerdings zu ca. 60% von Jungen genutzt werden. Die Besucherinnen des Mädchen- und Frauenzentrums hingegen besuchten ganz bewusst diese Einrichtung. Weil sie aus sozial schwachen Familien kommen, weil sie Sprach- oder Lernschwierigkeiten haben, weil sie Gewalterfahrung haben, weil dies für sie als junge Migrantinnen die einzige Möglichkeit ist, unter Gleichaltrigen sich auszutauschen - die Gründe hierfür seien vielfältig.

Das Mädchen- und Frauenzentrum gibt den Mädchen Hilfestelle, sie lernen, selbstbestimmt ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Beeindruckend und für sich selbst sprechend sei das Engagement der Mädchen, findet die Frauenbeauftragte. Mit ihren Forderungen wie z.B. "wir bleiben, weil wir gelernt haben, Konflikte zu lösen", "Wir bleiben, weil wir das, was wir gelernt haben, an andere Mädchen weitergeben wollen", "Wir bleiben, weil wir gelernt haben, selbstbewusster zu werden" machen sie deutlich, wie einschneidend und alternativlos für sie diese städtische Haushaltskürzung sein werde.

"Deshalb ist die Bürgerschaft am kommenden Donnerstag aufgefordert, zu prüfen, ob diese kurzfristige Haushaltseinsparung sozial gerecht ist und sich langfristig rechnet."