Digitales Pressedienstarchiv
Wand-
und Deckenmalerei in Lübecker Häusern als Datenbank
080809LK 2008-11-21
EDV-gestütztes Forschungsprojekt: Über 1600 Malereien aus rund 400 Häusern erfasst
Der Bereich Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck und das Kunsthistorische Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stellten heute, 21. November 2008, zum Abschluss des DFG-Forschungsprojektes „Wand- und Deckenmalerei in Lübecker Häusern 1300 bis 1800“ ihre Ergebnisse im Willy-Brandt-Haus vor. Die große Anzahl von Wand- und Deckenmalereien in Lübecker Häusern ist der umfangreichste bislang bekannte derartige Bestand in Europa. Diese erstaunliche Fundmenge wurde durch ein groß angelegtes, EDV-gestütztes Forschungsprojekt erstmals vollständig und systematisch erfasst. Die Hansestadt Lübeck, Bereich Archäologie und Denkmalpflege, führte in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel diese Maßnahme zwischen November 2005 und November 2008 in Teamarbeit durch. Gefördert wurde das Projekt mit über 300 000 Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
Die Altstadthäuser der UNESCO-Welterbe-Stadt Lübeck bergen einen einzigartigen, aber kaum erforschten Bestand an Wand- und Deckenmalereien. Den Blicken der Öffentlichkeit entzogen, da zumeist in Privatbesitz, sind diese Malereien aus verschiedenen Epochen Kulturgut von europäischem Rang. Aus etwa 400 Lübecker Häusern sind über 1.600 Malereien des Zeitraumes 1250 bis1800 bekannt. Oft liegen sie in mehreren Schichten übereinander, weil Wände und Decken immer neu bemalt wurden. Nicht alle sind vollständig erhalten oder gut lesbar. Viele von ihnen sind gefährdet.
Durch die jetzt vollständige und systematische EDV-gestützte Erfassung bieten sich der Grundlagenforschung damit weitreichende Untersuchungsmöglichkeiten: Die Dokumentation der Wand- und Deckenmalereien in Wort und Bild sichert der Kunst- und Kulturgeschichte unersetzliches Quellenmaterial. Die differenzierte Klassifizierung in Gestalt einer recherchefähigen Datenbank erhöht den Erkenntnisgewinn. Entschlüsselung und Bewertung von Funden werden erleichtert. Die Lübecker Denkmalpflege erhält ein unentbehrliches, ausbaufähiges Instrumentarium, das sich insbesondere in der täglichen praktischen Arbeit bewähren wird, indem es wissenschaftlich fundierte Argumentationshilfen gegenüber den Denkmaleigentümern bereithält und diese anschaulich zu präsentieren vermag.
Mit der bevorstehenden Publikation der Datenbank im Internet sollen die interessierte Öffentlichkeit und die überregionale Fachwelt erreicht werden.+++