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Lübeck als Fluchtpunkt und schwierige neue Heimat
080765RK 2008-11-05


Zeit des Erinnerns: Vortrag und Buchvorstellung von K. Meyer-Rebentisch im Burgkloster

Die Erfahrungen von Flüchtlingen und Vertriebenen in Lübeck steht im Mittelpunkt eines interessanten Vortrags, der am Mittwoch, 12. November 2008, 19.30 Uhr, im Lübecker Kulturforum Burgkloster stattfindet.

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch stellt dem interessierten Publikum ihre soeben veröffentlichte Dissertation mit dem Titel „In Lübeck angekommen – Erfahrungen von Flüchtlingen und Vertriebenen“ vor.

Es handelt sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung des Kulturforums und des Archivs der Hansestadt Lübeck. Sie gehört zur Reihe „Zeit des Erinnerns für die Zukunft“. Der Eintritt beträgt fünf (ermäßigt 2,50) Euro.

Zum Inhalt: „Wir appellieren erneut an die einheimische Bevölkerung, dass sie uns Flüchtlinge nicht wie ungeladene, lästige Gäste verwünscht, sondern vielmehr in uns gleichberechtigte deutsche Brüder und Schwestern sieht ...“. Mit hörbarer Verbitterung wiesen Vertriebene in Norddeutschland 1948 auf ihr schlechtes Verhältnis zu alteingesessenen Bevölkerung hin. Der Wunsch nach Gleichberechtigung und Anerkennung in der neuen Heimat blieb lange ein frommer Wunsch. Wie sah es damit in Lübeck aus? Erlebten die aus dem Osten vertriebenen Menschen auch hier ein Dasein als „ungeliebte Brüder und Schwestern“, wie Günter Grass rückblickend ihre Situation charakterisiert hat?

Ein großer Teil der Lübecker Bevölkerung stammt von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen ab, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier ein neues Zuhause gefunden haben. Die Kulturhistorikerin Karen Meyer-Rebentisch hat das Gespräch mit Zeitzeugen gesucht und die Erfahrungen dieser Menschen bei Flucht und Vertreibung und beim Neuanfang in Lübeck erforscht. In ihrer gerade in der Veröffentlichungsreihe des Archivs der Hansestadt erschienenen Dissertation zeichnet sie anschaulich und prägnant die Lebenswege der Betroffenen nach und erläutert die Bedeutung dieses Bevölkerungszuwachses für Lübeck, die bis in die Gegenwart hinein reicht. Bereits 2005 wurde im Kulturforum Burgkloster die ebenfalls von Frau Meyer-Rebentisch erarbeitete Ausstellung „Angekommen – Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Lübeck“ gezeigt, die ein großes Publikumsinteresse fand.

Meyer-Rebentisch, 1963 in Neuss geboren, hat in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft und Allgemeine Rhetorik studiert. Nach einer Zwischenstation in Berlin, wo sie in Museen und bei Ausstellungsprojekten mitarbeitete, lebt sie seit 1993 in Lübeck und ist hier als Journalistin, Sachbuchautorin und freischaffende Ausstellungsmacherin tätig. Nach Ausstellungen im Kulturforum Burgkloster („Angekommen – Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Lübeck“, 2005-2006) und in der Geschichtswerkstatt Herrenwyk bereitet sie derzeit die für 2009-2010 im Burgkloster geplante Ausstellung „Grenzerfahrungen“ zum 20. Jahrestag des Mauerfalls und der Deutschen Einheit vor.

Dass sie Lübeck für ihre Untersuchung gewählt hat, macht Sinn: Die Stadt wurde nach 1945 zu einem Hauptauffangbecken für die aus dem Osten vertriebenen Menschen. Wie wurden Flucht, Vertreibung und Neuanfang von den Betroffenen erlebt und bewältigt? Was bedeutete der fast explosionsartige Bevölkerungszuwachs für Lübecks Wirtschaft und das soziale und politische Milieu der Stadt? Das Bewusstsein vom baldigen „Wegsterben“ der Zeugengeneration war für Karen Meyer-Rebentisch der Anlass, sich mit der „Nach“ - Geschichte von Flucht und Aufnahme der Vertriebenen in Lübeck zu beschäftigen und zwar ausgerichtet auf einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, also bis in die unmittelbare Gegenwart. Dazu hat sie auch die Kinder- und Kindeskinder von nach Lübeck zugezogenen Flüchtlingen und Vertriebenen interviewt.

Günter Grass hat zu Recht betont, dass in der zweiten und dritten Generation nach der Vertreibung das Thema wieder an Wichtigkeit gewinnt: „Es wabert in den Familien (der Vertriebenen), die eigene Geschichte wird wieder interessanter. ... Vor allem aber muss besser informiert werden über diesen Abschnitt der europäischen Geschichte, der in Krieg und Vertreibung gipfelte.“

Hinweis für die Presse: Ein Besprechungsexemplar kann angefordert werden beim Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL), Dr. Jan Lokers, E-Mail: archiv@luebeck.de , Telefon (0451) 122 41 52.


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