Digitales Pressedienstarchiv
Lübeck
lädt ein zur Ausstellung „In der Wahrheit leben
080062RK 2008-01-28
Burgkloster erinnert an die Geschichte von Widerstand und Opposition im 20. Jahrhundert
Im Juni 1943 wurden sie im Gerichtssaal des Kulturforums Burgkloster vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt: Die vier Lübecker Geistlichen Karl Friedrich Stellbrink, Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller waren Persönlichkeiten, die unter hohem persönlichen Risiko die Überzeugungen ihres Glaubens vertraten und das Recht und die Würde des Menschen verteidigten. Die neue Sonderausstellung im Kulturforum Burgkloster „In der Wahrheit leben. Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition im 20. Jahrhundert“ widmet sich solchen mutigen Menschen. Am Sonntag, den 27. Januar, wurde sie von Stadtpräsident Peter Sünnenwold, Dr. Ingaburgh Klatt, Dr. Axel Smend, dem Vorsitzenden der Stiftung 20. Juli 1944, und Ludwig Mehlhorn, dem Autor der Ausstellung, gleichzeitig Studienleiter Ostmitteleuropa der evangelischen Akademie Berlin, eröffnet.
Der Ausgangspunkt der Ausstellung sind die beiden totalitären Diktaturen der NS-Zeit und des kommunistischen Regimes, die die europäische Geschichte nachhaltig prägten. „Ich freue mich, dass wir es endlich geschafft haben, diese Wanderausstellung nach Lübeck zu holen. Das Kulturforum Burgkloster ist mit seiner wechselvollen Geschichte der richtige Ort, um die Ausstellung in Lübeck zu zeigen, denn es bietet Anknüpfungspunkte an den Kreisauer Kreis.“, sagte Ingaburgh Klatt zur Eröffnung.
Dieser wurde im Jahr 1940 unter der Federführung von Helmuth James von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg gegründet. Die immerhin 20 Mitglieder dieses Geheimbundes beschäftigten sich mit Gestaltungsentwürfen für eine politische und gesellschaftliche Neuordnung nach einem erhofften Zusammenbruch des NS-Regimes. Als 1944 Graf Moltke verhaftet wurde, löste sich der Kreis auf, der nach seinem Gut Kreisau in Schlesien benannt war, wo wichtige Treffen stattgefunden hatten. In Lübeck erinnert ein Straßenname auf der Altstadtinsel an ein in Lübeck bekanntes Mitglied des Kreisauer Kreises: die Dr.-Julius-Leber-Straße.
Die Ausstellung zeigt an Hand dieser Gruppe und an Hand oppositioneller Gruppierungen in den Staaten der Sowjetunion in der Zeit nach 1945, wie Menschen sich für ihre Überzeugungen einsetzten. Dabei stehen immer die Individuen mit ihren moralischen Haltungen und politischen Überzeugungen, ihre Entscheidungen in Bewährungssituationen im Vordergrund. Nicht nur die intellektuellen und politischen Leistungen der Oppositionellen werden gewürdigt, sondern auch der Prozess von der individuellen Ablehnung bis hin zur Schaffung eines oppositionellen Milieus und neuer Widerstandsgruppen.
Erstellt wurde die Ausstellung, die bis zum 23. März 2008 im Kulturforum Burgkloster zu sehen ist, durch die Kreisau-Initiative Berlin e.V. und die polnische Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung. Großzügig gefördert wurden die Ausstellung und das Rahmenprogramm durch die Stiftung für Deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Reinhold-Jarchow-Stiftung.
Das Ziel der Ausstellung ist, die Besucher über gesellschaftliche Prozesse der Gegenwart zum Nachdenken anzuregen. Geschichte solle nicht nur als etwas Vergangenes wahrgenommen werden, sondern als ein Geschehen, das in die Gegenwart reicht und die Haltungen heute lebender Generationen beeinflusst.
Das Kulturforum Burgkloster hat von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt fünf (ermäßigt 2,50) Euro.+++