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Gedenktafel für Philosophen Hans Blumenberg enthüllt

060563RK 2006-07-13

Bürgermeister Bernd Saxe und Kultursenatorin Annette Borns haben heute Mittag am Eingangsbereich des Geburtshauses von Hans Blumenberg eine Gedenktafel enthüllt, die an den großen Sohn der Hansestadt Lübeck erinnert. Die Gedenktafel mit enthüllt hat Bettina Blumenberg, Tochter des am 13. Juli 1920 in Lübeck geborenen Philosophen und Schriftstellers. Dieser hatte „bis zu seinem Lebensende ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Vaterstadt Lübeck“, wie Saxe zuvor beim Empfang für die Tochter und dem anschließenden Eintrag ins Goldene Buch der Hansestadt sagte.

In seiner Rede würdigte Saxe den vor zehn Jahren gestorbenen Philosophen als einen der fünf großen Söhne (Blumenberg, Thomas und Heinrich Mann, Erich Mühsam, Willy Brandt) der Stadt im 20. Jahrhundert. Alle fünf hatten – zumindest zeitweilig – Probleme mit der Hansestadt Lübeck. Sei es aufgrund der beengten geistigen Freiheit innerhalb der Stadt, des Unverstandenseins oder gar des Ausgestoßenseins, wie es insbesondere Blumenberg als so genannter Halbjude – wie die Nazis Menschen mit einem jüdischen Elternteil bezeichneten – widerfuhr. Und noch eine Gemeinsamkeit verbindet die fünf: Vier von ihnen besuchten das Katharineum, an dem Blumenberg 1939 sein Abitur ablegt. Der fünfte, Willy Brandt, war Schüler aufs Johanneum.

Der Bürgermeister erinnerte in seiner Rede daran, dass sich die Lübecker Gesellschaft nach 1933 nicht von ihrer besten Seite zeigte, Blumenberg die „ganze Bandbreite der Ablehnung zu spüren bekam“ – bis hin zum Arbeitslager. Selbst in jüngerer Vergangenheit wurde Blumenberg noch gekränkt – beim Silbernen Abiturjubiläum 1964 (er hatte 1939 sein Abschluss nicht nur als Jahrgangsbester, sondern sogar als bester Abiturient des Landes Schleswig-Holstein gemacht), empörte ihn das Verhalten seiner einstigen Mitschüler derart, dass er noch am gleichen Tag wieder abreiste. Zum Goldenen Abitur 1989 wurde er zwar wieder eingeladen, blieb der Veranstaltung aber fern.

„Doch es gab“, so erinnerte Saxe, „auch in den 1930er Jahren das freisinnige, bürgerliche Lübeck“ – besonders in der Person von Heinrich Dräger, der „ihn wieder aus der Hölle holte“ und ihm eine Arbeitsstelle in seinem Unternehmen anbot, wo er schnell Karriere machte.

Bettina Blumenberg hatte zuvor einige bemerkenswerte und selbst heute noch vielen unbekannte Details verraten: Heinrich Dräger, den ihr Vater stets den „Alten“ nannte, holte ihn in sein Unternehmen, weil Blumenberg „gebraucht wurde zur Verteidigung des Vaterlandes“, wie das damals hieß. So hielt er die Nazis davon ab, diesen später international renommierten Wissenschaftler wie so viele andere dem KZ auszuliefern oder gar zu ermorden. Heinrich Dräger habe damals eigentlich etwas getan, was auch Schindler getan habe – „nur dass das nie in einem Kinofilm gewürdigt wurde“, sagte die in München lebende Tochter. Der Unternehmer habe eine „ganz große menschliche Leistung gezeigt, doch nie darüber gesprochen“, sagte sie. Hans Blumenberg selbst habe über seine eigene Verfolgung nie berichtet, „aber über Heinrich Dräger hat er schon gesprochen“. Er war es auch, der ihrem Vater Geld für ein Studium gab – „auch das eine große Geste“ des „Alten“.

Kurz vor seinem Tod, im Jahr 1995, trug die Hansestadt Lübeck Blumenberg dann doch noch die längst fällige Ehrenbürgerschaft an. Doch dazu kam es nicht mehr: Hans Blumenberg, der 1945 sein Studium begonnen hatte, zwei Jahre später promovierte, bereits mit 30 Jahren habilitierte und der seit 1958 als außerordentlicher Professor für Philosophie an der Uni Hamburg lehrte, starb am 28. März 1996.

Auf der Gedenktafel an der Hüxstraße 17, Eigentümer David Shalom, steht:

„Geburtshaus von Hans Blumenberg

Philosoph und Schriftsteller

* 13. Juli 1920 † 28. März 1996

Nachdenklichkeit heißt: Es bleibt nicht alles so selbstverständlich, wie es war.“

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